Autos aus Hanf und Flachs?


 

Auch bekannte Hersteller nutzen immer stärker nachwachsende Rohstoffe.

Autohersteller entdecken ihren Hang zur Natur. Nicht nur, dass sie an der Reduzierung des Verbrauchs arbeiten. Auch bei der Herstellung wird die Schonung der Ressourcen zu einem immer wichtigeren Thema.

Immer häufiger greifen die Hersteller in den Baukasten von Mutter Natur, ersetzen nachwachsende Rohstoffe das Plastik oder andere synthetischen Teile. Neben einem verbesserten Image bringt dies oftmals auch niedrigere Kosten. In vielen Fällen werden sogar die Eigenschaften des Endprodukts verbessert.

Das jüngste Beispiel dafür liefert der Reifenhersteller Goodyear in Köln mit dem neuen Werkstoff BioTRED, der jetzt nach Angaben von Sprecher Christian Fischer seinen Einstand im Sommerreifen GT 3 gibt. Der Füllstoff entsteht aus Maisstärke und ersetzt einen "nennenswerten" Anteil der industriell hergestellten Ruß- und Silica-Komponenten im Reifen.

Aus ökologischer Sicht wichtigster Vorteil des neuen Materials ist sein günstiger Einfluss auf die CO2-Bilanz: Beim Wachsen absorbiert der Mais, von dem pro Reifen etwa ein Kolben benötigt wird, das Treibhausgas durch Photosynthese. Bei der Produktion von BioTRED wird weniger Energie benötigt und damit weniger CO2 freigesetzt, als bei Ruß oder Silica. Im täglichen Betrieb sorgt der GT 3 nach Angaben der Entwickler durch einen verminderten Rollwiderstand für weniger Verbrauch und reduziert so noch einmal die Emissionen. Hinzu kommen bessere Fahreigenschaften bei Nässe und ein Kostenvorteil, dank dessen der neue Reifen ungefähr zum Preis des Vorgängers angeboten werden kann.

Auch die Autohersteller selbst experimentieren hier schon seit vielen Jahren. So hat etwa Mercedes nach Angaben aus Stuttgart bei der aktuellen E-Klasse erstmals nachwachsende Rohstoffe im großen Stil verbaut. Mittlerweile finden sich Naturfasern wie Zellulose, Holz, Kokos, Flachs, Jute oder Sisal auch in der S-Klasse oder dem aktuellen Bestseller der C-Klasse.

Dort listen die Schwaben 33 Bauteile von der Hutablage bis zu den Innenverkleidungen der Türen auf, die aus nachwachsenden Rohstoffen bestehen. Ihr Gewicht summiert sich auf 23 Kilo - das sind 27 Prozent mehr als beim Vorgänger. Auf ähnliche Mengen kommen Wettbewerber wie Audi oder VW. So sind im aktuellen Golf laut VW-Sprecher Hartmuth Hoffmann in Wolfsburg vor allem in Dämm-Matten, Sitzlehnen und Verkleidungen gut zwölf Kilo Baumwollfasern, etwa 1,3 Kilo Flachs und ein knappes Kilo Holzfasern verarbeitet. Beim aktuellen A3 kommt Audi in Ingolstadt auf einen Faseranteil von 30 bis 50 Prozent. Bis Naturfasern ihre Freigabe für den Serieneinsatz erhalten, müssen sie die gleichen Eignungstests durchlaufen wie sämtliche Rohstoffe aus industrieller Produktion. Besonders streng sind die Kriterien laut Mercedes bei Crashsicherheit, Beständigkeit und Steifheit der Bauteile. Doch nicht selten sind die nachwachsenden Rohstoffe dem synthetischen Material aus der Fabrik sogar überlegen, weil sie leichter sind und bei Unfällen ein höheres Maß an Stabilität und eine geringere Neigung zum Splittern aufweisen. Das Ende der Fahnenstange ist mit diesem Materialmix noch lange nicht erreicht. So arbeitet man in den Entwicklungslabors intensiv am Einsatz der rehabilitierten Hanf-Pflanze, die - anders als viele aktuelle Naturprodukte - auch hier zu Lande wächst. Schon bald wird man eine Reihe von Formteilen für den Innenraum aus Stärke und natürlichen Harzen pressen. Die seien dann genauso umweltfreundlich und vielfach einsetzbar wie die Pommes-Schalen an der Imbissbude.

 

 

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