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Frankfurter Allgemeine Zeitung, 03.04.2002:
Ersatz für schwindenden KieferKörpereigene Knochenhaut vermehrt / Halt für Zahnimplantate Zahnimplantate lassen sich nur dann fest verankern, wenn genügend Knochensubstanz im Kiefer vorhanden ist. Andernfalls blieb bisher als erfolgversprechende Maßnahme lediglich der Ersatz durch körpereigenen Knochen, der an einer anderen Stelle entnommen wurde. Keramiken oder Rinderknochen finden ebenfalls Verwendung, allerdings in geringerem Umfang. Körpereigener Knochen steht jedoch nur in kleinen Mengen zur Verfügung. An der Universitätszahnklinik in Freiburg ist es jetzt erstmals gelungen, diesen Engpaß zu umgehen. Zwei Patienten, deren Oberkieferknochen verkümmert waren, erhielten Ersatzgewebe, das aus winzigen Stücken der Knochenhaut ihres eigenen Unterkiefers gewonnen worden war. Dies geht aus einem Bericht der Arbeitsgruppe um Rainer Schmelzeisen hervor, der demnächst im "European Journal of Cranio Maxillofacial Surgery" erscheinen wird. Vier Monate nach der Verpflanzung hatte sich in dem Oberkiefer neue Knochensubstanz gebildet. Die wenigen aus dem Unterkiefer entnommenen Zellen wurden auf verschiedenen Nährmedien vermehrt. Gemischt mit verschiedenen Trägermaterialien, entstanden daraus Chips von der Größe eines Cent, die sich wie weicher, biegsamer Knorpel verarbeiten ließen. Auch für diesen Arbeitsschritt wurden nur körpereigene Materialien aus dem Blut der Patienten verwendet. Als nach vier Monaten die neuen Zähne in den Oberkiefer verankert wurden, entnahm man auch eine Gewebeprobe. Das feingewebliche Bild ließ erkennen, daß die verpflanzten Zellen wieder Knochen hervorgebracht hatten. Damit ist es weltweit zum ersten Mal gelungen, aus der Knochenhaut des Unterkiefers feste Knochensubstanz für den Oberkiefer heranzuzüchten. Wenngleich man die Ergebnisse noch nicht verallgemeinern kann, ist dies doch ein entscheidender Schritt hin zur Unabhängigkeit von körpereigenen Knochenspenden. Denn wenn man von den Knochen des Patienten genügend Substanz wegnehmen will, birgt das immer auch ein Risiko. Künftig will man in Freiburg testen, inwieweit sich Knochen verschiedener Härtegrade für unterschiedliche Zwecke herstellen läßt. Noch kommt das Verfahren nur für jene Patienten in Betracht, deren Oberkiefer als Folge einer Paradontose oder altersbedingt verkümmert ist. Allerdings hofft man mit zunehmender Erfahrung auch jenen Menschen helfen zu können, bei denen nach einem Unfall oder einer Tumoroperation ein Defekt im Kieferknochen zurückgeblieben ist. mls Frankfurter Allgemeine Zeitung, 03.04.2002, Nr. 77 / Seite N1
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